Hameln-Pyrmont. Die jüngste Auswertung der Regionaldatenbank Genesis belegt, dass die Zahl der Gewerbeanmeldungen im Kreis Hameln-Pyrmont bis Ende 2023 bei 1191 Firmengründungen lag. Verglichen mit dem Jahr davor ging diese Zahl um 81 nach oben.
Die Gründer und Gründerinnen im Kreis Hameln-Pyrmont schwimmen derzeit mit dem Bundestrend. Nach bundesweitem Rückgang 2022 wurden 2023 in Deutschland 714.995 oder 41.532 mehr Gewerbeanmeldungen als 2022 abgegeben.
Wo steht der Kreis Hameln-Pyrmont?
Für den Platz in einer Gründergeistbundesliga müssen die Gewerbeanmeldungen aber auf einen vergleichbaren Wert umgerechnet werden: Hierzu wird die Zahl der Firmengründenden pro 10.000 Einwohner als Indikator genommen: Für den Kreis Hameln-Pyrmont reichten rund 79 Firmengründer und -gründerinnen je 10.000 Einwohner zu Platz 235 unter 402 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Spitzenreiter ist Leverkusen mit 166, Schlusslicht ist der Kreis Wittenberg mit einer Quote von knapp 43.
Der Gründergeist ist in Deutschland gut messbar, weil am Anfang eines etwaigen unternehmerischen Erfolges immer ein Formular auszufüllen ist: die Gewerbeanmeldung (nur Freiberufler brauchen die nicht, deswegen sind ihre Gründungen auch statistisch nicht erfassbar). Über das Formular wird die gewerbliche Entwicklung im Vergleich zu anderen Staaten recht genau erfasst.
Die Bilanz für die letzten Jahre
Aktuell liegen in der von den Statistischen Landesämtern betriebenen Regionaldatenbank die Zahlen aus den Gewerbeämtern bis zum 31. Dezember 2023 vor. Im Kreis Hameln-Pyrmont lautet die Zeitreihe bei den Gewerbeanmeldungen 2023: 1191 Anmeldungen, 2022: 1110, 2021: 1170 Gründungen, 2020 wagten 1080 den Schritt in die Selbstständigkeit, obwohl da die Corona-Pandemie Fahrt aufnahm.
Die absolute Zahl sagt aber wenig, weil sie natürlich von der Bevölkerungszahl abhängig ist: je mehr Menschen, je mehr mit Unternehmungsgeist, wenn der Anteil überall gleich ist. Aber wird die Zahl der Gründungen mit der Bevölkerungszahl abgeglichen, kommt ein bundesweit vergleichbarer Wert heraus.
Wie sind die Erfolgsaussichten?
Freilich sagt der so für 2023 errechnete Wert von 79 Firmengründern und -gründerinnen je 10.000 Einwohner nur wie groß der Drang in die Selbstständigkeit ist. Die Erfolgschancen zu beurteilen, die sich am Ende in Arbeitsplätzen, lokaler Wirtschaftskraft und interessanten Unternehmen niederschlagen, ist schwieriger.
Dafür schätzen die Statistiker die Chancen der Gründung ab, so weit das möglich ist: 2023 bekamen von den 1191 Gewerbeanmeldungen im Kreis Hameln-Pyrmont insgesamt 981 das Prädikat „Neuerrichtungen“, womit Gewerbe beschrieben werden, die es bei uns vorher noch nicht gab.
Firmengründungen durch Betriebsübernahmen
In denen wiederum wurden 185 als „Betriebsgründungen“ eingestuft, denen die Experten eine größere wirtschaftliche Bedeutung beimessen, weil sie meinen, dass diese Firmen auf Sicht wirtschaftlichen Erfolg und Arbeitsplätze bringen. 2022 hatte deren Zahl bei 211 gelegen. Diese besonders wichtigen Gründungen lagen 2022 im Kreis Hameln-Pyrmont also um 26 niedriger als im Vorjahr.
Es muss auch nicht jeder oder jede unbedingt ein neues Unternehmen gründen. Betriebsübernahmen sind auch eine Möglichkeit. Zumal mit zunehmendem Alter der Betriebsinhaber aus den geburtenstarken Jahrgängen dringend Nachfolgende gesucht werden.
Blick auf Gewerbeabmeldungen
Nähere Informationen liefert der Blick auf die 1043 Gewerbeabmeldungen: Nur 852 waren 2023 „echte Aufgaben“, aber von diesen fielen tatsächlich nur 188 in die Klasse der „Betriebsaufgaben“, bei denen auch von größeren Arbeitsplatzverlusten auszugehen ist. Ansonsten steckten in den Abmeldungen auch 92 Betriebe, die an Nachfolger oder Käufer übergeben wurden, also bei den Anmeldungen in der Zahl der Übernahmen mit 107 größtenteils wieder auftauchen und bei denen unterm Strich die Arbeitsplätze nicht unbedingt verloren gegangen sind.
Bleibt noch ein Indikator für das lokale Gründungsgeschehen: Ziehen man die 1043 Gewerbeab- von den Gewerbeanmeldungen ab, bleibt 2023 ein Gründersaldo von plus 148 Gründungen, die Hoffnung auf zusätzliche Jobs machen.
Gut oder schlecht? Wenn Chef oder Chefin nicht allein und vor allem erfolgreich schaffen, schaffen sie Arbeitsplätze. Das wäre die gute Nachricht. Außer der Fachkräftemangel kommt ihnen in die Quere.
Foto: Catrin Rörig