Aber erst einmal zu Bastian als Person: Er wohnt in Fischbeck, ist Mitte 40, spielt beim Vfl Hameln Basketball und reist gern mit seiner Familie durch Europa. Außerdem kocht er fantastisch, wovon wir als befreundete Familie regelmäßig profitieren. Auf den ersten Blick vermutet man kaum, dass man ihn in seiner übrigen Freizeit draußen im Wald findet. Dabei war er als Kind schon gern in der Natur, ist oft mit Freunden angeln gegangen.



Was hinter der Jagd steckt
Bei Vätern im Bekanntenkreis hatte er früh auch ein paar Einblicke in die Jagd bekommen, interessierte sich lange für dieses Thema und durfte schließlich als junger Erwachsener kleine Revierarbeiten für einen ansässigen Jäger übernehmen. „Was versteht man unter Revierarbeiten?“, frage ich und er erklärt mir: „Ich habe die Wege zu Hochsitzen freigeschnitten, kleine Reparaturen erledigt oder Wildäcker gepflegt. Dort werden Blühmischungen eingesät und Wildtiere, Kleintiere und Insekten können sich dann auf diesen Flächen verstecken.“ Erstmals wird mir klar, dass die Aufgaben eines Jägers doch viel mehr umfassen, als auf einem Hochsitz zu sitzen und den Bestand unserer heimischen Wildtiere zu regulieren.
Wenn Leidenschaft auf Disziplin trifft

2006 hat Bastian die Jägerprüfung, die auch als das grüne Abitur bezeichnet wird, bestanden. Er war damals Lehrgangsbester des Kurses der Jägerschaft Hameln-Pyrmont. „Das liegt daran, dass ich ihn in der Vorbereitung auf die Prüfung so gut abgefragt habe!“, lacht seine Frau Jasmin. Sicherlich hat auch das seinen Teil dazu beigetragen, aber wie ernst Bastian bei der Sache war, erkennt man, wenn er zurückblickt auf das Jahr vor dem Jungjägerkurs. Im Herbst 2004 lief der Kurs schon und er konnte sich nicht mehr anmelden. Kurzerhand hatte er sich alle Unterlagen besorgt und sich monatelang bereits im Selbststudium in die Materie eingearbeitet, bevor er dann 2005 offiziell starten konnte. Seit 19 Jahren ist er nun Jäger, 14 davon Pächter eines Revieres in Fischbeck.
Tag und Nacht im Einsatz für Mensch und Tier
„Als Jäger kümmerst du dich um Vieles.“, sagt er, „Da ist nicht nur der klassische Jagd- und Revierbetrieb, sondern auch Aufgaben im Naturschutz und der Öffentlichkeitsarbeit gehören dazu. Gerade im Frühling oder Herbst sind zum Beispiel klassische Zeiträume für Wildunfälle, da in dieser Zeit der Berufsverkehr in die Aktivitätsphase des Wildes fällt. Die Polizei hat eine Liste der Revierpächter, die in solchen Fällen angerufen werden.“ Bastian ist dann Tag und Nacht erreichbar und erklärt mir, dass diese Art von Unfällen gar nicht so selten vorkommt. Pro Jahr gibt es rund 300.000 Wildunfälle in Deutschland. Er gibt mir zu dem Thema direkt ein paar Tipps mit: Wenn ihr in einen Wildunfall verwickelt seid, ruft bitte die Polizei. Für das Wildtier gibt es nichts Schlimmeres als in unmittelbarer Nähe von Menschen zu sein oder von Menschen angefasst zu werden. Das ist der ultimative Stress für Wildtiere, vor allem, wenn sie verletzt sind und nicht fliehen können. In einer Unfallsituation gilt also: Sich selbst nicht in Gefahr bringen, Unfallstelle absichern, Abstand vom angefahrenen Tier halten, nicht anfassen und über die Polizei den lokalen Revierpächter informieren lassen.
„Ich wurde einmal zu einer Frau gerufen, die einen vermeintlich hilflosen Fuchs am Straßenrand gefunden hat. Damals hat sie ihn in ihrer Handtasche mit nach Hause genommen und dort erst die Polizei angerufen. Das Tier war nicht angefahren worden, sondern krank. Mal abgesehen davon, dass es Krankheiten und Parasiten gibt, die auch auf Menschen übertragen werden können, fällt das Mitnehmen eines Wildtieres auch unter den Straftatbestand der Wilderei.“, erläutert Bastian.
Die Rehkitz- und Jungswild-Rettung ist auch ein Thema, das unter dem Begriff „Helfen“ verortet werden kann. Bevor Landwirte die Wiesen abmähen, müssen sie diese in der Brut- und Setzzeit auf Jungwild absuchen. Die Jäger und ehrenamtliche Helfer unterstützen hier morgens vor ihrer eigentlichen Arbeit bei der Suche mit der Wärmebilddrohne. Bastian ist selbst Drohnenpilot und erklärt dazu: „Der Drohnenpilot markiert die Stellen, an denen er auf dem Bildschirm zum Beispiel Rehkitze, Gelege von Wiesenbrütern oder Junghasen sieht. Helfer sichern dann das jeweilige Tier bis die Mäharbeiten abgeschlossen sind. Hier arbeiten Landwirte und Jäger eng zusammen, um Tierleid zu vermeiden. Für die Jäger ist es Ehrensache beim Tierschutz zu helfen.
Monitoring von Wildpopulationen
Auch das Monitoring von Wildpopulationen durch Jäger ist eine wichtige Aufgabe. „Die Leute finden es immer witzig, wenn ich davon berichte, dass ich Hasen im Feld und an einsehbaren Stellen wie Waldrändern zähle.“, schmunzelt Bastian. Doch die Forschung bekommt dadurch wichtige Daten zum Bestand, der Entwicklung und Ausbreitungsbewegung von Wildtieren.



Von Gitarrenklängen bis zu wilden Camp-Abenteuern
Gibt es auch lustige Dinge, die Bastian so im Wald erlebt? Er lacht und sagt: „Na klar, der Klassiker sind natürlich Liebespaare, die man auf den Hochsitzen vorfindet. Ich habe auch schon einmal eine Person auf der Wärmebildkamera entdeckt, der es anscheinend sehr schlecht ging, ganz allein im Wald. Es sah aus, als würde sich die Person übergeben. Am Ende kam heraus, dass eine Frau im Wald mit ihrem Bulli wild campte und nur nach dem Zähneputzen ausgespuckt hatte. Und dann gibt es noch den einen Typen, der an lauen Sommertagen immer auf einem Hochsitz irgendwo im Nirgendwo Gitarre spielt.“ Okay, anscheinend erlebt man als Jäger auch die ein oder andere Kuriosität. Wobei angemerkt sei, dass das Betreten von Hochsitzen übrigens nicht erlaubt ist.

Respektvoll und nachhaltig: Wild als wertvolles Lebensmittel
Wichtig ist Bastian, dass gerade bei der Bestandsregulierung in unseren Wäldern so viel wie möglich von den Wildtieren verwendet wird. Er sagt dazu: „Für mich gehört das zur Wertschöpfung für dieses hochwertige Lebensmittel und zeigt unseren Respekt gegenüber unserem Wild.“ Wildfleisch kommt von Tieren, die frei in unseren Wäldern ein gutes Leben hatten. Sie haben zudem keine langen Transporte oder sonstigen Stress durch uns Menschen erlebt. Unsere lokalen Jäger jagen nur im Rahmen der Jagdzeiten und stellen Qualität und Demut vor dem Gejagten in den Vordergrund. „Das, was wir Jäger tun und bieten ist ehrlich, regional und respektvoll.“, sagt Bastian und ich finde, dass diese Schlussworte meinen neu gewonnen Eindruck von seiner Tätigkeit gut wiederspiegeln.