Ja, sie ist wieder angekommen. „Ich muss nicht mehr zwischen Berlin und Hameln pendeln“, sagt Tatjana. Denn obwohl sie weg war, war der Kontakt in die Heimat immer da. Tatjana hat weiterhin Tanzworkshops in Hameln gegeben, war somit nie ganz weg. Dass sie vor ein paar Jahren in die Hauptstadt gezogen ist, hatte einen Grund: Tanzen ist ihr Leben – und Berlin neben Köln DIE Stadt, in der sich die Tanzszene trifft. Wer hier an den großen Tanzschulen in den Dance Classes mitmacht, Kontakte knüpft und zeigt, was er oder sie kann, hat gute Chancen, mit dem Tanzen Karriere zu machen.
Der Fokus auf das Tanz-Business hat sich verändert.
Als Tatjana von Hameln nach Berlin zog, wusste sie, wohin sie wollte: auf Konzerttouren und ins Fernsehen. Heute sagt sie ehrlich: „Der Fokus auf das Tanz-Business hat sich verändert.“ Sie habe zwar gewusst, auf was sie sich in Berlin einlasse – doch die Machtspiele in der Branche haben ihr nicht gefallen.
„Auf der Bühne zu stehen hat mich nicht mehr glücklich gemacht“, sagt sie. Zwar ist das Tanzen immer noch ihre Leidenschaft – nur eben nicht mehr in Berlin. Da ihr Freund seinen Mittelpunkt nun nach Hameln verlegt hat, war es für sie einfach, in diesem Jahr aus der Hauptstadt wegzuziehen.
Achtsamkeit steht nun im Fokus
Natürlich mag sie das Großstadtleben immer noch: „Man hat Zugang zu allem“, sagt sie. Nach wie vor fährt sie ab und zu nach Berlin – mit weniger Druck und mehr Spaß dabei. Das Thema Achtsamkeit hat sie nun in ihren eigenen Fokus gestellt. „Ich habe mental an mir gearbeitet“, erzählt Tatjana. Und hilft dadurch auch anderen.
Heute in Hameln begleitet sie Frauen, „vom Kopf in ihren Körper zu kommen“. „The weekly Ritual“ nennt sie diese wöchentliche Auszeit, in der sie mehr als nur Tanzen lehrt. „Es geht darum, mal die Maschinerie im Kopf auszuschalten, die Stille zu genießen, den Ballast abzuwerfen“, so die 30-Jährige. Und das geht nicht nur mit Tanz, sondern auch mit Meditation. 90 Minuten, um als Frau zu sich selbst zu finden.
Tatjana begleitet nun Frauen auf ihrem Weg zu sich selbst
„Ich kreiere Orte, an denen Frauen sich fallen lassen können.“ Einfach mal eine Umarmung bekommen, Schamgrenzen überwinden, loslassen. „Ich habe das Gefühl, dass wir seit der Corona-Pandemie auf Abstand sind“, hat Tatjana festgestellt. Nun begleitet sie Frauen in Veränderungsprozessen durch intensive 1:1-Begleitungen, in denen es darum geht, alte Lasten loszulassen und die eigene Stärke wiederzuentdecken, und bietet zudem achtsame Retreats im Raum Hameln an, um nachhaltig bei sich selbst anzukommen.



Vor ihrer Zeit in Berlin hat sie für den TC Hameln mehrere Kurse im Spiegelsaal in der Rattenfänger-Halle angeboten. Meist HipHop oder Commercial; in jedem Fall etwas, das ankam in Hameln. „Bis zu 75 Schülerinnen und Schüler von klein bis groß habe ich wöchentlich unterrichtet“, erzählt Tatjana. Auch, als sie nach der Schule in Hameln zum Studieren nach Essen ging, kam sie wöchentlich nach Hameln, um ihre Kurse zu geben. Drei Stunden hin, drei Stunden zurück fuhr sie mit der Bahn dann an einem Tag. Verrückt? Ja, verrückt nach Tanzen.
Nicht nur HipHop, sondern auch Latein beherrscht Tatjana. Als Latein-Tänzerin hat sie früher an Turnieren teilgenommen, war erfolgreich und hat gelernt, ihren Körper zu beherrschen. Wenn Tatjana ihren Körper bewegt, ist das Kunst, Kunst mit dem Körper. Nicht nur im HipHop, sondern auch im Contemporary, im Jazz Dance und im Commercial hat sie sich in Berlin weiter ausbilden lassen. Ihr Wissen gibt sie nun weiter: Neben dem wöchentlichen Ritual für Frauen ab 35, bietet sie in den Räumlichkeiten von Life Sports nun auch wieder eine Dance Class für Anfängerinnen an – mit sanften Schritten und einfachen Choreografien.
Ihre Liebe zu Hameln hat sie neu entdeckt
Für Fortgeschrittene gibt es eine High Heels Class – und das ist genau das, wonach es sich anhört. Tanzen auf High Heels – mit Ausstrahlung und Selbstbewusstsein. Während sich ihre Liebe zum Tanzen auf eine andere Art und Weise als vielleicht geplant weiterentwickelt hat, hat sie auch ihre Liebe zu Hameln neu entdeckt. „Ich habe mit der Rattenfängerstadt ein Stück Frieden geschlossen“, sagt Tatjana. „Es ist schön einen Ort zu haben, an dem du alles kennst“, sagt sie heute.
Hameln habe sich gemacht, sei längst nicht mehr so konservativ. Gute Restaurants, vielseitige Events. Jetzt genießt die 30-Jährige ihre Heimat in den vollen Zügen. Hameln ist für mich gerade sowohl privat als auch beruflich wichtig“, sagt sie. Ob sie ewig in Hameln bleibt? Nun ja, ihr Freund ist hier, ihre Familie, ihre Freunde. Für die Gründung einer Familie sei die Rattenfängerstadt der perfekte Ort, „doch ich brauche auch mal ein paar Momente woanders.“ Die findet sie aktuell immer noch in Berlin – aber wer weiß, vielleicht auch irgendwann noch weiter entfernt.
Fotos: Tatjana Schäfer