Mit William Roine bin ich zum Start des langen Wochenendes im Café der Sumpfblume verabredet. Bei blauem Himmel und sich senkender Sonne sitzen wir an der Weser zusammen bei kühlen Getränken und sprechen über ihn, seinen Song „Schrebergarten“ und das Leben. William ist 1998 in Hameln geboren und hat schon früh eine eigene Gitarre von seinem Vater geschenkt bekommen. Es machte den beiden Spaß zusammen Akkorde zu üben und Musik zu machen. „Dann war ich auf Ferienfreizeit auf Ameland“, erinnert William sich zurück, „Dort waren immer Betreuer mit, die abends am Lagerfeuer auf der Gitarre Lieder von den Beatles oder auch deutsche Gassenhauer, wie ‚Über den Wolken‘ von Reinhard Mey, gespielt haben. Alle Kinder haben dazu mitgesungen.“.

Da Williams Eltern Briten sind, kam er so erstmals mit deutschen Songs in Kontakt. William hat Legasthenie und war im Deutschunterricht oder Sprachen nie besonders gut. „Umso ironischer, dass es heute Menschen gibt, die meine Texte so abfeiern!“, schmunzelt er.
„Schrebergarten“: William Roine geht mit Song über Hameln viral
Auf dem Hamelner Schiller Gymnasium wurde seine Musikbegeisterung so richtig gefördert. Er kann gut Noten lesen und wurde früh in die Schülerband der jüngeren Jahrgänge geholt. Gitarre und Klavier spielt er zu dieser Zeit. Ab der 9. Klasse durfte er schließlich in der Big Band des Gymnasiums mitmachen. „Ein Großes Lob geht an meinen damaligen Musiklehrer Herr Eilers!“, sagt William. Der Lehrer hatte sein Talent und seine Leidenschaft entdeckt und ihn zu diesen Schritten ermutigt.



Mittlerweile hat William selbst ein abgeschlossenes Lehramtsstudium in Mathe und Musik. In Münster, wo er heute lebt, war er zuletzt als pädagogische Fachkraft angestellt, mittlerweile arbeitet er in einer Unternehmensberatung. Aber all das gilt natürlich eher dem Geld verdienen als der Selbstverwirklichung. Die findet er in der Musik. Als Singer und Songwriter tritt er allein oder mit einer Band auf. Mit der Band, die aus Freunden besteht, die zum Teil auch aus Hameln kommen, probiert er gern neue Songs aus. „Meist hab ich erst diesen Text, diese Geschichte im Kopf, die ich erzählen will. Die Melodie kommt dann erst später dazu.“, sagt er.
Diese Story steckt hinter dem viralen Hameln-Song von William Roine
Seine Songtexte haben oft tiefgründige Hintergründe. Er singt von Beziehungen, Kindheit oder auch eigenen Erfahrungen. „Der Song ‚Northface Pulli‘ ist ein Song über Ess-Attacken und sehr intensiv.“, erzählt er nachdenklich. „Ich singe hier über eigene Erfahrungen.“. Auch das Lied ‚Schrebergarten‘, das durch den Bezug zu unserer schönen Stadt Hameln gerade überall gefeiert wird, hat einen persönlichen Hintergrund. Er sing hier von seinem Bruder, der – wie auch im Text deutlich wird – von Berlin zurück in seine Heimatstadt Hameln kam, einen Schrebergarten mietete und sich einen kleinen Hund anschaffte. William fragt mich, warum die Leute in Hameln diesen Song wohl so hypen. Ich sage ihm, dass ich mich auch sofort damit identifizieren konnte, da auch ich über verschiedene Stationen wieder hier gelandet bin und auch einige andere kenne, die es ähnlich gemacht haben. Hameln als Homebase zum weiteren Entdecken der Welt ist doch ein schöner Gedanke, finden wir schließlich.
Aber neben den ‚Hameln-Rückkehrern‘ spricht William anscheinend auch die Schrebergartenbesitzer an. Während wir sprechen, kommt eine Frau vom Nebentisch zu uns und bittet William um ein Autogramm. „Dein Song ist unsere Garten-Hymne!“, schwärmt sie. „Wir haben ihn am letzten Wochenende rauf und runter gehört!“. Die zugehörige Gruppe am Tisch stimmt dem fröhlich zu. „Das ist mein erstes Autogramm, das ich hier in Hameln gebe!“, lacht William und kann es nicht ganz fassen, was er erreicht hat, „Plötzlich kriege ich auch Interviewanfragen von großen, deutschen Radiosendern! Dass gerade ‚Schrebergarten‘ so einschlägt, hätte ich gar nicht erwartet.“
Neben den nachdenklichen Songs bietet William aber auch Songs zum Feiern in seinem Repertoire. „Fette Rabatte“ zum Beispiel kommt auf seinen Konzerten gut an. Oft tritt er auf Hochzeiten auf oder auch in Kneipen. Seine größten Auftritte hatte er im Hot Jazz Club oder auf dem Stadtfest in Münster. „Eigentlich müsstest du ja nun mal ein Konzert in Hameln geben!“, schlage ich vor. William wäre sofort dabei. Also immer her mit Location-Vorschlägen aus unserer schönen Stadt!