HamelnR des Monats: Nico Lattermann bringt Farbe ins Spiel

Wenn es um seine Jugend geht, dann sagt Nico Lattermann, „habe er damals die regulären Erfahrungen gemacht – da wo man es durfte, und da wo man es nicht durfte“. Denn Nico, heute 39 Jahre alt, ist Sprayer oder auch Graffiti-Künstler - und unser HamelnR des Monats. Was er heute anders macht als früher, hat er uns im Gespräch erzählt.

Da war diese eine Nacht in Hannover, die das Leben von Nico etwas veränderte oder besser gesagt, in andere Bahnen lenkte. Der Hamelner, der gebürtig aus Jena kommt, in der Rattenfängerstadt aufgewachsen ist und heute in Groß Berkel wohnt, war mit einer Gruppe anderer Sprayer in Hannover unterwegs. An einem Ort, der nicht legal zum Sprayen gedacht war, taten sie dies aber – und wurden erwischt. Eine Nacht verbrachte Nico in der Zelle beim Bundesgrenzschutz. „Da hat ein Umdenken bei mir stattgefunden“, sagt er. Ab sofort „mache ich das nur noch legal“.

Den Wert der Freiheit, den habe er schätzen gelernt durch die eine Nacht. Das frei liebende Hobby, bei dem man seinen Ideen freien Lauf und die Farben sprühen lassen kann – es ist eben auch nur so lange ein Hobby, bei dem man sich frei ausleben kann, wenn man sich eben doch an gewisse Regeln hält. Auf Freiflächen, die von Besitzern oder Kommunen für die Sprayer freigegeben sind, lässt sich Nico Lattermann nun aus. In Klein Berkel am Schwarzen Weg gibt es so eine. Privat tritt er sich mit der Graffiti-Szene, der Grill wird angeschmissen. Nach Wunstorf, Minden, Hannover oder Hildesheim lockt ihn die Community.

Nico ist Sprühdosen-Artist

Was er genau macht? Er ist unentschlossen, ob er es Sprühdosen-Kunst oder Graffiti nennen soll. Graffiti, so sagt er, sei am besten mit Buchstaben-Verfremdung zu umschreiben, die Künstler können sich dadurch vergleichen, die Schriftzüge seien häufig mit Unterschriften gleichzusetzen. Das alles hat er oft genug gemacht. „Ich muss heute keinen Schriftzug mehr machen“, sagt Nico. Von daher: Heute ist der 39-Jährige eher Sprühdosen-Artist.

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„Ich habe mich auf Leinwänden weiterentwickelt“, sagt er. Mit der Graffiti-Schrift haben seine heutigen Kunstwerke nicht mehr viel zu tun. „Das findet draußen auf der Straße statt.“ Trotzdem er seine Kunst nun mehr „drinnen“ auslebt; „ich tue mich schwer damit, mich als Künstler zu bezeichnen“. Klar, das Bewusstsein dahingehend wachse.

Neben seinem Hauptjob als Sozialarbeiter hat Nico ein Nebengewerbe angemeldet. Den Fokus legt er dabei hauptsächlich auf Auftragsarbeiten. „Das ist das, was mich interessiert, weil der Kundenwunsch mich meist an neue Herausforderungen heranführt und gleichzeitig meinen persönlichen Horizont ein wenig erweitert.“ Eine Wand im Wartezimmer, ein Bild im Bad:

Ich habe viel Lehrgeld dafür gezahlt.

Wenn er Workshops gibt, vor allem für Kinder und Jugendliche, legt er seinen Fokus nicht nur auf die Kunst an sich, sondern auch auf den geschichtlichen Hintergrund, auf Arbeitssicherheit – und Prävention. „Ich habe viel Lehrgeld dafür gezahlt“, sagt Nico über sein Hobby. „Das kann einem Steine in den Weg legen.“ Heißt: Von Sachbeschädigung bis hin zum Einbruch reichen die Delikte von Sprayern; Vorstrafen gibt es; teils sogar Haftstrafen. „Das kann später echt Nachteile haben.“ Vor allem, wenn einen die Polizei schon kennt und auf dem Kieker habe, obwohl man die Sprühdosen nur noch legal einsetzt.

Die Graffiti-Szene in Hameln; sie sei laut Nico gerade überschaubar. Jüngere Sprayer gebe es kaum. Die meisten seien in seinem Alter. Nico ist jemand, der bundesweit vernetzt ist. „Man tauscht sich aus, holt sich Unterstützung und Tipps.“ Und was macht Nico, wenn er nicht künstlerisch tätig ist? „Ich habe Bogenschießen für mich entdeckt.“ Fahrradfahren macht ihm ebenso Spaß wie Lego-Bauen mit seinem Sohn – und auch dabei kann er ja künstlerisch tätig werden.

Fotos: Nico Lattermann

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