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Hamelns neue Klima­anpassungs­managerin Valérie Tschirpig: Das Klima hat sie schon immer interessiert

Sie ist 26 Jahre, hat in Göttingen Geografie studiert, in Schweden ihren Master gemacht und ist nun Hamelns neue Klimaanpassungsmanagerin: Valérie Tschirpig. Hier stellen wir die HamelnRin des Monats vor.

Als es früher zuhause darum geht, wer welchen Film gucken möchte, wählt Valérie Tschirpig Naturdokumentationen, ihre Schwester entscheidet sich für Disney. Schon immer, so erzählt Valérie, habe sie sich für die Natur interessiert, ging schon viel mit ihrer Mutter wandern und tut dies auch heute noch gerne, prädestiniert ist das Weserbergland ja dafür.

Seit Mitte Januar lebt sie in Springe und arbeitet in Hameln. Dass es sie aus dem schwedischen Lund, wo sie zuletzt ihren Master-Abschluss gemacht hat, mal in die Rattenfängerstadt verschlägt, war schon ein klein wenig geplant. „Mein Freund ist Doktor der Bio-Medizin und da habe ich geschaut, wo ein möglicher Arbeitsplatz für ihn wäre, und Hannover bietet sich da an.“ Daher hat sie sich als Wohnort auch für Springe entschieden, denn schon bald soll ihr Freund aus Schweden hierher ziehen.

Mit ihrem spezialisierten Master in Katastrophenschutz, Risikomanagement und Klimaanpassung passt Valérie Tschirpig genau in das Profil der geförderten Stelle bei der Stadt Hameln: In den kommenden zwei Jahren, und wenn’s gut läuft auch darüber hinaus, wird Tschirpig ein Konzept erarbeiten, wie sich die Stadt gegen Starkregen, Hitze und Trockenheit schützen kann, welche Maßnahmen es braucht, um sich dem Klima anzupassen, daher auch der Name.

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„Ich bin gespannt, welche Vorschläge die Bürgerinnen und Bürger mit einbringen“, sagt sie. Denn nicht Valérie Tschirpig, die gebürtig aus Wolfenbüttel kommt, sondern die Einwohnerinnen und Einwohner kennen die Stadt am besten, ebenso die relevanten Akteure. Gerade plant sie ihren Termin mit dem Leiter des Hamelner Forstamts. „Es kann schon sein, dass ich auch mal in den Wald fahre“, erzählt die Klimaanpassungsmanagerin.

Ihr fehlte die Praxis

Da sie schon früh wusste, dass sie mit oder in der Natur arbeiten möchte, schaute sie sich in alle Richtungen um. „Auch Forstwissenschaft war eine Option“, erzählt sie. Doch es wurde Geografie. Nachdem sie das abgeschlossen hatte, ging sie nach Rostock zur „Küsten Union Deutschland“, einer Nichtregierungsorganisation, danach für den Master und weitere Forschungsarbeiten nach Lund. Obwohl der Studiengang in Schweden sehr praxisnah war, fehlte ihr etwas. „Man arbeitet in der Forschung für das Papier, dann fällt es unter den Tisch.“ Hier in Hameln kann sie nun etwas bewegen.

Natürlich könne sie jetzt noch nicht sagen, was in Hameln die größte Herausforderung sein wird, aber: „Ich kann jetzt all mein Wissen praktisch umsetzen.“ Und das ist eine Menge. So verbrachte die junge Frau auch einige Zeit in Japan; bereits während ihrer Schulzeit lernte sie freiwillig Japanisch, war fasziniert von dem Land, das in etwa so viel Fläche hat wie Deutschland, aber eine größere Nord-Süd-Ausdehnung: „Im Norden herrschen teils sibirische Verhältnisse, im Süden herrscht warmes Klima.“

Über den Tellerrand schauen, rauskommen aus dem Schubladendenken, offen sein für Neues: Wenn es um das Thema „Anpassung“ geht, hat Valérie Tschirpig keine Probleme. Als die S-Bahn zu ihrem Vorstellungsgespräch mit einer Stunde Verspätung in Hameln einfährt, ruft sie im Rathaus an, erklärt die Situation. „Das machen auch nicht alle Bewerber“, erfährt sie später. Als die Hamelner Politik sie bittet, sich vorzustellen, und zu erklären, was sie eigentlich macht und was der Unterschied zu ihrem Kollegen, dem Klimaschutzmanager ist, geht sie in den Ausschuss und stellt sich selbstbewusst den  Fragen.

Sie weiß: Klimaschutz und Klimaanpassung betreffen uns alle. Dafür müssen wir alle etwas tun. Valérie Tschirpig sagt: „Energie und Ernährung sind hier die größten Stellschrauben.“ Sie selbst ernährt sich fast ausschließlich vegan, fährt so oft und so gut es geht mit Bahn und Bus – weiß aber auch, dass das Mobilitätsangebot im ländlichen Raum oft nicht ausreichend und das Auto meist die bessere Alternative ist. Ganz abgesehen vom Preis: 143 Euro zahlt sie für eine Monatskarte, damit sie mit der S-Bahn von Springe nach Hameln und zurückfahren kann. „Das sind zwei Haltestellen“, sagt sie kopfschüttelnd. Sehnsüchtig wartet sie auf das 49-Euro-Ticket und hofft, dass Bahn- und Busfahren dann wieder attraktiver für die Menschen wird.

Durch Katastrophen wie im Ahrtal rückt das Klima-Thema wieder in den Fokus

Dass Valérie Tschirpig und ihre Kolleginnen und Kollegen auf ähnlichen Stellen gerade so gefragt sind als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, schreibt sie dem Schlagwort „Klima“ zu. Dabei habe es Klimaanpassung eigentlich schon immer gegeben, doch oft erst nach Naturkatastrophen wie im Ahrtal vor zwei Jahren rückt das Thema wieder mehr in den Fokus. Dass sie nun bei der Stadt Hameln praktisch etwas umsetzen und mitgestalten kann, freut sie. Überzeugungsarbeit für ihren Beruf wird aber dennoch nötig sein, denn: „Langfristig rechnet sich ein Klimaanpassungskonzept. Aber die Kosten, die man einspart, sieht man natürlich nicht, weil ja im besten Fall auch nichts passiert.“

Fotos: Karen Schreiber

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